Bildung Bern lehnt die Lehrplaninitiative ab

Die Volksinitiative „Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!“ im Kanton Bern wird lanciert. Die "Interessengesellschaft für eine starke Volksschule" will die 15'000 Unterschriften bis Juli gesammelt haben. Bildung Bern lehnt die Initiative ab.

Die Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben die Vorlage „Beitritt zur interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Volksschulen“ am 27. September 2009 angenommen. Zu den Harmonisierungsbestrebungen gehören sprachregionale Lehrpläne. In der Abstimmungsbotschaft wurde festgehalten: „Das HarmoS-Konkordat schafft die rechtliche Grundlage für die Entwicklung von verbindlichen, gesamtschweizerischen Bildungsstandards, in denen die Kompetenzen beschrieben werden, welche die Schülerinnen und Schüler mindestens erreichen sollen. Für das Ende jeder Schulstufe werden also überprüfbare und verbindliche Kompetenzniveaus definiert.“

Die Ausarbeitung des Lehrplans 21 wurde somit von der Stimmbevölkerung gutgeheissen. Nach Auffassung von Bildung Bern liegt die Verantwortung für dessen Umsetzung bei der als Volksvertretung gewählten Regierung. Dies ist im Volksschulgesetz entsprechend verankert.

Der Grosse Rat hat die Aufgabe, zu überprüfen, ob die Regierung mit dem Lehrplan 21 die Harmonisierungsbestrebungen gemäss Volksentscheid erfüllt hat. Im Rahmen der kantonalen Budgetierung und des Finanzplans beschliesst das Parlament indirekt, wann der Lehrplan 21 eingeführt wird. Gleichzeitig entscheidet es dabei über zusätzliche Schülerlektionen oder die vorgesehene Weiterbildung der Lehrpersonen und Schulleitungen.

Bildung Bern ist der Meinung, dass weder das Volk noch der Grosse Rat über einzelne pädagogische Vorgaben bzw. über den Inhalt eines Lehrplans entscheiden soll. Diese Aufgabe muss den Fachleuten aus Theorie und Praxis überlassen werden. Aus diesem Grund lehnt der Berufsverband die Initiative entschieden ab.

Bildung Bern konzentriert sich auf das Engagement für eine erfolgreiche, umsetzbare und praxistaugliche Implementierung des Lehrplans 21 mit qualitativ hochstehender und praxistauglicher Weiterbildung. Der Berufsverband will den Streit über Sinn oder Unsinn des Lehrplans nicht befeuern. Die Diskussion ist müssig, weil das Stimmvolk sich dazu klar geäussert hat.

Bildungsqualität wird vor Ort, in den Schulen, von jeder professionell ausgebildeten Lehrperson beeinflusst. Die Schulen brauchen politische Sicherheit und Konstanz. Die geplante Initiative gefährdet dieses Ziel massiv.